Salomonen: Angeln, zweiter Level

Nachdem wir den Endgegner von „Angeln, Level 1“ schon zwischen Redonda Rock und Nevis in der Karibik erlegt haben, plätscherten unsere Angel-Erlebnisse im Äquivalent von Bonus-Leveln daher. Yellowfins, Skipjacks, Doraden und spanische Makrelen gaben sich in den Monaten Januar bis September ein regelmäßiges Stelldichein an unserem Haken. Lecker aber tatsächlich Routine.

Mit den Salomonen erreichen wir in vielerlei Hinsicht einen neuen Level.

Angeln, Level Zwei

Angeln, Level Zwei

Es gibt unberührtere Landschaften, schönere Lagunen, bessere Wracks, mehr Armut, mehr Diebe und nun gilt die dritthöchste Sicherheitsstufe auf Alytes. Und nun auch noch Angeln, zweiter Level.

Im ersten Level (gerade am Anfang, aber auch beim Endgegner) konnten einem die Fische am Haken schon einen ordentlichen Kampf liefern. Die langjährigsten Leser erinnern sich, dass die durch Herrn Manns in Düsseldorf liebevoll zusammengestellte und von uns teuer bezahlte Trolling-Angel kraft eines unverschämten Riesen-Thuns aus meinen unerfahrenen Fingern gerissen wurde. Totalverlust. Mitleidiges Lächeln der Mitseglerinnen. Budgetstop.

Auch der über 1,60 m große Wahoo hinter Redonda Rock hat uns ziemlich beschäftigt. Ein langer, schweißtreibender Fight. Aber das Team war erfahrener und wir haben ihn an Bord gezogen.

In den folgenden Bonusleveln nur noch Routine: Die Angel schnarrt, sobald das warme Essen auf dem Tisch steht. Ich lasse das auf den Punkt gegrillte Steak auf dem Teller und nehme den Kampf auf (immer öfter macht das auch Heide). Mina hat im Nu Gaff, Schüssel und neurochirurgisches Besteck herangeschafft. Wir töten unsere Fische immer mit einem Stich ins Hirn. Es geht eigentlich nur noch darum, die Beute so schnell an Bord zu haben, dass wir das Essen noch warm genießen können.

Was passiert also auf den Salomonen? Alytes steuert unter Heides ruhiger Hand die Riffpassage von Gizo-Island an. Kurz vor der „Barre“ schnarrt die Angel trocken los. Wir haben nur einen kleinen Köder dran, keinen Doppelhaken. Das Programm läuft. Mina rennt zur Gaff, Heide zieht sich Handschuhe an. Der Fisch kämpft wie verrückt. Die Angel singt, die Rolle läuft an der Bremse heiß. Dann ein hartes, wiederholtes Rucken. Ich hole ein, in 30 Metern springt das Monster aus dem Wasser. Wow, so einen habe ich noch nicht gesehen. Graugelblich, mindestens zwei Meter. Ich denke an die Mutter aller Mahi-Mahis. Aber dazu doch ein wenig zu fahl, die Farbe. Nochmal das Rucken. Zack, zack, zack. Dann wird es leicht. Hat er schon aufgegeben? Mina ist inzwischen bei mir und lehnt sich lässig auf die Gaff. Schaut zum Haken. Das ist aber ein kleiner, meinst sie. ich bin ein wenig entrüstet. Habe das Monster ja gesehen. „Der schwimmt nur in unsere Richtung“, sage ich überzeugt. Schließlich sehe ich es auch: Er ist wirklich klein. Und er ist auch nicht graugelb. Er blinkt silber wie eine Weihnachtskugel. Als wir ihn an Bord haben wird deutlich, dass wir nicht „Ihn“, sondern nur ein Teil von ihm haben. Der schmackhafte Körper hinter dem Kopf fehlt. Ein fast perfekter Halbkreis markiert die Grenze zwischen Fisch und Nicht-Fisch. Zwischen Genuss und Enttäuschung.

Der Dieb war mit großer Wahrscheinlichkeit ein (kleiner) Zitronenhai oder ähnliches.

Nun müssen wir also nicht nur die Fische selbst überwältigen. Nun haben wir Konkurrenz.

Willkommen in Level Zwei.

PS: Auf die Reinigung des Unterwasserschiffs freuen wir uns in diesen Gewässern außerordentlich …

8 Gedanken zu „Salomonen: Angeln, zweiter Level

  1. Lucas

    Punkt 2 war natürlich Aquavit für den Patienten, braucht man aber auch nicht extra zu erwähnen.
    Habe nach einiger Zeit heute mal wieder auf eurem Blog vorbei geschaut und musste enttäuscht feststellen, dass ja alles beim alten geblieben ist. Fritze wird von Pferden geärgert und die Fische gehen auf dem Weg ins Boot verloren. Aber seit froh auf diese neue Weise bleiben zumindest die Köder dran… Und traumhafte Inseln sind auch keine neue Meldung mehr 😉 Nein, im Ernst es klingt nach wie unterhaltsam und beneidenswert bei euch. Ich darf ab Morgen wieder in die Uni (es ist doch wieder Freiburg geworden).
    Viele Grüße Lucas

  2. Jørn

    Auha, ihr seid ja wahre Danger-Seeker. Sieht nach einem anständigen Gegner aus.

    Im Hinblick auf Fritzes Hang zum Spiel mit gefährlichen Tieren (Feuerfisch, Hai, Pferd) hier eine kleine ernstgemeinte Wahrnung für die weitere Reise: In Thailand ist gerade eine deutsche Touristin am Stich einer Würfelqualle gestorben, Das ist der dritte Todesfall dieses Jahr. Die Behörden haben eine Warnung diesbezüglich rausgegeben. Die Viecher sind wohl unter anderem vor den Küsten der Inseln Koh Samui, Koh Phangan, Koh Mak und Koh Lanta unterwegs.

    Liebe Grüße und weiter eine Handbreit Wasser unter eurem Miniaturkiel,
    Jørn

    1. Jørn

      Habe gerade mal gegeoogelt und gesehen, dass die Viecher im gesamten Seebereich zwischen Australien und Thailand vorkommen. Also auf Eurer bevorstehenden Route. Es gab auch eine Erste-Hilfe-Anleitung:

      1. Betroffene Partien mit 5% Essiglösung spülen – kein Wasser
      3. Schockbehandlung (ruhig lagern, Kreislauf überwachen, ggf. Wiederbelebung)
      4. sofortige ärztliche Betreuung, Gegengifte stehen zur Verfügung

      Reanimationen sollten mindestens 20 Minuten durchgeführt werden, da die thermolabilen Cardiotoxine nur bis zu 15 Minuten wirken. Die Patienten sollten sich nicht bewegen und werden liegend in die Klinik transportiert.

      1. Heide

        Hallo Jørn, vielen Dank für die Tipps, was war denn Punkt 2? 😉
        Soweit ich weiß, sind die Würfelquallen nur saisonal unterwegs… und das dürfte jetzt nicht sein. Aber vielleicht auch wieder ein Resultat von El Nino?
        Hoffe, Euch geht es gut und Ihr müsst noch nicht frieren (bei uns in PNG sind es gerade 33°C). 😉

        LG,
        Heide

        1. Jørn

          Also die Meldung mit dem Unglück kam letzte Woche. Und die Hotels in Thailand warnen nun alle Gäste und raten vom Baden ab. So ganz vorbei kann die Saison demnach noch nicht sein. Lt. Internet ist in Australien die Quallensaison von November bis Mai: http://www.gesundes-reisen.eu/print_artikel_details.php?contentType=2&themaID=700

          Punkt 2 war „aus dem Wasser raus, bevor man bewusstlos wird“. Nach Eurer Feuerfischerfahrung gehe ich davon aus, dass ihr das schon als Reflex verinnerlicht habt 🙂

          Liebe Grüße, Jørn

          P.S.: Wir hatten Sonne und zarte 3°C heute morgen. Die einzige, die noch auf kurze Hosen bestand, war Fiene.

  3. Norma

    Das nenne ich doch mal einen präzisen Happs! Auf eine gruselige Weise dennoch beeindruckend. Aber die Konkurrenz kommt doch zum rechten Zeitpunkt, hatte ich doch beim Lesen den Eindruck, es würde Euch mittlerweile doch sehr langeweilen. Nicht zu vergleichen mit dem Thrill bei Kruse anne Fleischtheke!!

Schreibe einen Kommentar