Irgendwo im Indischen Ozean (18.03.2016)

Die Sonne ist als blutroter, zäher Tropfen hinter den Horizont geronnen.
Jetzt steht ein dreiviertel Mond hoch am Himmel, leuchtet fahl die
Schönwetterwolken an und lässt den Sternen wenig Raum uns zu verzaubern.
Alytes segelt mit knapp sieben Knoten Wind durch die warme Nacht auf das
Horn von Afrika zu.

Mit den Yachten Kwispel und Tinkerbel unternehmen wir die Passage dieses
nicht ganz unproblematischen Seegebietes gemeinsam. Die beiden Boote
segeln keine zwei Meilen von uns entfernt.

Ein robustes Mandat und die Marineverbände von über zwanzig Staaten
haben die Piraterie zwischen den Malediven und dem Suez-Kanal fast zum
Erliegen gebracht. Aber eben nur fast. Und als langsame Segelyacht mit
geringem Freibord und kleiner Crew ist man im Zweifel auch einem hier
gern mit Kalaschnikow ausgerüstetem Fischer als alternative
Wohlstandsquelle recht. Umverteilung läuft vor Somalia offenbar noch
etwas anders als in der sozialen Marktwirtschaft. Wir hoffen also, dass
wir mit der Konvoi-Fahrt auch die letzten Risiken minimieren konnten.

Zudem ist das Segeln in Sichtweite ein großer Spaß. Oft quatschen wir am
Funk und schon zweimal ist die Crew der Tinkerbel über einen sehr
ruhigen Ozean zur Alytes geschwommen. Mal zum Sundowner, mal zum Kaffee.
Die Kids sind noch etwas geblieben und haben mit Mina spielend den
Nachmittag verbracht. Wir haben sie kurz vor Sonnenuntergang im
Vorbeifahren an das „Mutterschiff“ übergeben.

Auch jetzt können wir die roten Positionslichter der beiden anderen
Boote keine zwei Meilen entfernt sehen. Es ist ganz gut zu wissen, dass
man bei kleineren oder größeren Problemen in der „High Risk Area“ nicht
auf sich allein gestellt ist. Wir haben unsere Route den „UK Maritime
Trade Operations“ und dem „Maritime Security Centre – Horn of Africa“
mitgeteilt. Auch unsere täglichen Positionsmeldungen gehen von diesen
beiden Anlaufstellen an eine Vielzahl der hier eingesetzten Verbände.
Hin und wieder stellen wir uns vor, wie sich die Drohnenpiloten auf den
Seychellen über den Inhalt unserer mehr oder minder sinnhaften
Funksprüche kaputtlachen. Am Ende sind wir als „Sportboote“ aber
erklärtermaßen nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Jungs
und fühlen uns daher im Verbund ein wenig besser.

Nachdem wir einige Tage bei Windstille mit Motorunterstützung unterwegs
waren, geht es nun bei leichtem Wind und sehr geringem Seegang recht
zügig voran. Entsprechend gut ist die Stimmung an Bord. Heide und ich
haben uns gut an den Wachrhythmus gewöhnt, Mina schaut den hier in
riesiger Zahl vorkommenden Delfinen zu und kommt bestens mit der Schule
voran. Hin und wieder funken die Kinder, um sich gegenseitig auf
Delfine, Schildkröten und anderes Getier aufmerksam zu machen. Auf die
Szenerie scheint jeden Tag eine heiße Sonne, die aber dank des nun
wehenden Windes gut zu ertragen ist.

In nicht allzu vielen Tagen werden wir die Insel Socotra passieren. Wenn
es das Wetter erlaubt (oder es wegen fehlenden Windes im Golf von Aden
sogar erzwingt) werden wir hier ein paar Tage rasten, Frischwaren
provisionieren und im örtlichen Café auf ein paar beinharte
Bohnenheißgetränke mit der jemenitischen Bevölkerung zusammenkommen.

Musik: Laurent Garnier (Heide und Fritze), Die Ärzte (Mina)
Bücher: Percy Jackson, Marine Terror

 

3 Gedanken zu „Irgendwo im Indischen Ozean (18.03.2016)

  1. Sabine

    Ihr Lieben,
    während Ihr nach Piraten Ausschau haltet und den Indischen Ozean zur Musik der Ärzte genießt, gehen wir heute für zweieinhalb Tage an Bord der MARS – und lassen uns einmal segeln 😉 Von Harlingen nach Vlieland und Terschelling. Und suchen unsere Ostereier im Watt, sobald wir trockengefallen sind. Momentan regnet’s hier noch wie aus Eimern, die Aussichten fürs Wochenende sind aber ganz gut.
    Wir denken oft an Euch.
    Frohe Ostern!
    Sabine, Jørn & Fiene

    Antworten
      1. AlytesSkipper Beitragsautor

        Liebe Rings, liebe Biljana,
        ein verspätetes aber umso herzlicheres Dankeschön aus dem lebhaften Suez Yachtclub. Wir liegen hier mit sechs weiteren Booten aus dem Süden. Morgen geht es in den Kanal.

        Herzliche Grüße,
        Fritze

        Antworten

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