Balis Süden: Serangan, Denpassar und Ubud (2. Dezember bis 8. Dezember 2015)

Bali wird von den Amerikanern gern als das Cancun, von den Europäern als das Mallorca der Australier beschrieben. Wie auch die Perle der Balearen nicht auf den Bierkönig reduziert werden kann, ist auch Bali nur punktuell Ballermannesk.

Glücklicher Skipper kurz vor Serangan

Glücklicher Skipper kurz vor Serangan

Wir erreichen die Bucht Serangan am Vormittag. Den Hafen Benoa etwas im Süden ignorieren wir lieber. Zum einen soll die Marina dort zwar teuer aber nicht besonders gepflegt sein, zum anderen müssten wir dort sicher eine nationale Einklarierung beim Hafenmeister über uns ergehen lassen. Darauf können wir, wie auch im Rest Indonesiens, gerne verzichten.

Serangan hat sich zu den Beschreibungen in unseren Hafenhandbüchern zum Besseren verändert: Die Riffpassage ist gut sichtbar betonnt und selbst der Weg durch die großen Ankerfelder der Bucht sind nun gekennzeichnet. Wir werden direkt hinter dem Riff durch den Mande, den mittelalten Boatboy begrüßt. Wie so oft gestikuliert er wild, dass wir am ausgesuchten Ankerplatz nicht ankern können. Es würde alles trocken fallen. Ein Blick auf den Tiefenmesser und die Karte zeigt, dass er einfach einen Grund sucht, uns an eine seiner Bojen zu bringen. Sein Preis ist außerirdisch. Wir winken ihm also freundlich zu, sagen ihm ebenso lächelnd aber sehr deutlich, dass er das Ankermanöver nicht stören soll und werfen den Haken vor dem Eingang zum Schildkrötenreservat bei einigen größeren Plattformen. Kaum hängen wir sicher, nehmen wir die Verhandlungen nochmal auf. Denn die Bojen sind ziemlich bequem und näher am Dingi-Dock. Die Konkurrenz kommt und nur fünf Minuten später haben wir eine gut platzierte Boje zum halben Preis. Gas und Diesel können die Jungs auch besorgen. Vor allem Gas brauchen wir sehr dringend, so dass wir uns auf einen auch verhandelt noch hohen Preis einlassen. Wie sich später herausstellt, versucht Mande die verlorenen Bojenprofite später beim Gas wieder reinzuholen. Wir können ihn aber dank kleinerer Finten ganz gut ausbremsen und sind am Ende mit vollen Kraftstoffreserven zu fairen Preisen auf See. Ich kann Mande allerdings nicht empfehlen, es war ein ständiges Handeln und prüfen, damit man nicht übers Ohr gehauen wird.

Wie so oft, ist Bali eine eigene kleine Welt in diesem „Vielvölkerstaat“ Indonesien. Hier ist der Hinduismus die vorherrschende Religion. Das bedeutet Frauen ohne Kopftuch, verspielte Tempel und frisches Spanferkel an jeder Ecke. Dafür bekommen wir hier kaum Rindfleisch, da die Kühe den Hindus heilig sind.

In den nächsten Tagen werden wir die Handelsinfrastruktur nutzen, um endlich ein paar Kleidungsstücke zu besorgen. Mina wächst zügig aus allem heraus, was man Ihr in den Weg legt und auch Heides und meine Garderobe ist nach vielen Monaten segeln, wandern, Sonne und Salzwasser ziemlich ausgedünnt. Also Malls und Märkte. Sushi (Mina ist selig) und Nutella. Also all die kleinen Leckereien, die wir lange nicht gesehen haben.

Wir schauen uns Denpassar an, Heide nimmt Mina in den etwas fescheren Ort Seminyak mit. Ein paar Stunden später haben beide frisch frisierte Haare und einen schönen Tag am Strand hinter sich.

Wir machen mit dem Taxi eine kleine Exkursion ins nördliche Ubud, das Zentrum des Kunsthandwerks.

Unser Fahrer empfiehlt uns einen Stopp bei einer Tanz-Compagnie um einen Blick auf die örtliche Musiktheater-Szene zu werfen. So schauen wir uns mit einer Reihe von Touris eine ganz spannende Vorstellung an. Knallbunte Kostüme, trance-induzierende Glockenspielmusik und gut gemachtes Theater mit viel Humor.

Diese Jungs zeigen, dass man auch auf Bali E-Musik macht. Sehr E.

Diese Jungs zeigen, dass man auch auf Bali E-Musik macht. Sehr E.

Rate mal, wer Lust auf Touri-Fotos hat. Aber wer kann den fröhlichen Borong widerstehen?

Rate mal, wer Lust auf Touri-Fotos hat. Aber wer kann dem fröhlichen Borong widerstehen?

Bei glühender Hitze stromern wir danach eine Stunde zwischen Yoga-erhellten und sonnenverbrannten Mittfünfzigern, Batikmädels und Backpack-Jungs durch die Hauptstraßen von Ubud. An den Straßen gibt es zu 80% Tand. Zuvor hat unser Fahrer allerdings auch bei einer der vielen Schnitzerei-Galerien angehalten. Vor der Tür arbeiten einige Männer an den Stücken, die im Inneren ausgestellt werden. Alles für das europäische Auge ziemlich überladen. Handwerklich allerdings große Klasse. Einige sehr schöne Arbeiten sind dabei. Wir sehen die reichverzierten Holzfiguren und -panele einfach nicht bei uns in der Wohnung.

Ein Highlight in Ubud ist das Essen. Heide erinnert sich noch heute gern an „das beste Essen in Indonesien, vielleicht auf der Reise“ zurück. Vermutlich hat sie die Chiperones auf Lanzarote vergessen ;-). Jedenfalls lernen wir hier einen der Kellner kennen. Ich frage ihn, wo man denn hier einen authentischen Keris bekommen könne. Er ist nun direkt ein Mitglied der Kaste der Keris-Schmiede und kann helfen. Er schickt uns zum Neka-Museum wo neben Malereien örtlicher Künstler eine Dauerausstellung dieser asiatischen „Schlangendolche“ zu sehen ist. Vor dem Museum wird live an einer der Klingen gearbeitet. Vor Pyramiden aus Opfergaben schmieden schwitzende Männer in Leinentücher gehüllt. Funken sprühen, es ist heiß und laut.

Heavy Metal, hammer on steel. Hier werden Kerise hergestellt. Im Hintergrund die Opfergaben

Heavy Metal, hammer on steel. Hier werden Kerise hergestellt. Im Hintergrund die Opfergaben

Ein tolles Schauspiel. Wir wechseln noch ein paar Worte mit dem Museumsstifter. Danach ist klar, ich brauche so einen Keris.

Flegelhafte Grabscher sind die Regel auf dieser Insel!

Flegelhafte Grabscher sind die Regel auf dieser Insel!

Aber zunächst kühlen wir uns im Holy Monkey Forest ab. Etwas außerhalb von Ubud lebt eine große Horde Makaken in einem heiligen Hain. Ein Tempel im Areal ist ein von den Gläubigen vielbesuchtes Heiligtum und wir Reisenden freuen uns an dem kühlen Schatten, den Bächen und natürlich an den zutraulichen Affen. Ein paar Bananen in die Hand genommen und schon hat man ein Reiter auf den Schultern. Sehr lustig, die Gesellen, aber auch kiebig, wenn man ihnen nicht gleich alle Bananen gibt. Da wird gefaucht und, im Falle einer etwas dösigen Australierin, auch mal mit den spitzen Zähnchen zugebissen. Wir haben Glück und kommen fröhlich und unverletzt aus dem Abenteuer heraus.

 

Einfach mal abhängen im Holy Monkey Forrest von Ubud

Einfach mal abhängen im Holy Monkey Forrest von Ubud

Der Tempel im Monkey Forrest

Der Tempel im Monkey Forrest

Auf dem Rückweg geht es wieder durch das ländliche Bali. Reisfelder, Waldparzellen mit saftigem Dschungel sowie hier und da die nicht so hübschen indonesischen „Roadtowns“. Hier auf Bali sind sie ein tick schöner als in den anderen von uns besuchten Landesteilen, da recht viele der verspielten hinduistischen Architekturelemente verbaut werden. Es ist hier und da etwas kitschig, wirkt aber einfach liebevoller als der Gasbeton-cum-Wellblechbaustil Westpapuas oder Ambons. In einem der Dörfchen hält der Fahrer. Ich hatte ihn gebeten, doch mal bei einem Keris-Händler zu halten. Nicht die Touristen-Dolche aus Leichtmetall mit Damaszener-Bemalung sondern einen, bei dem die Balinesen die Dolche für ihre Söhne kaufen. Tatsächlich hält er an einem unscheinbaren Shop. Die Frau hat ein paar sehr schöne Klingen im Angebot. Ich schlage bei einer angeblich alten, vor allem aber schlichten und sehr „business-liken“ Klinge zu. Kein Gold, sondern nur Konzentration auf das, was so ein Dolch machen soll. Die üblichen Verzierungen und der hervorragenden Stahl fehlen natürlich nicht. Ein schönes Souvenir.

Ach ja, da war ja noch das Erlebnis, was uns große Zerrissenheit aber auch viel Freude gebracht hat: Wir waren mit Delfinen schwimmen. Mina hatte sich das Erlebnis zum Geburtstag gewünscht. Wir haben lange gerätselt, denn als wir wenige Male die Möglichkeit hatten, in freier Wildbahn mit den Tieren zu planschen, war es Mina doch etwas zu unheimlich. Nun gut, auf Bali gibt es alles. Also auch Delfine, die nicht weg können. In der Bucht sind große Plattformen verankern, in deren Bereich mit Netzen Freiwasserbecken abgeteilt sind. Angeblich sind die Delfine aus Treibnetzen gerettet. Angeblich werden sie gut behandelt. Wir buchen also und gehen hin. Tatsächlich sieht die Anlage recht gepflegt aus. Die Tiertrainer sind liebevoll und es scheint eine Veterinärin vor Ort zu sein. Wir lassen uns also zu einem der Delfine ins Wasser herab und ein wenig wie ein Hund kommt er auf Geheiß des Trainers zu uns und lässt sich streicheln, füttern und führt auch ein kleines Tänzchen auf.

Endlich wieder Kontakte mit Gleichaltrigen! Irgendwie auch besser als ein Hund

Endlich wieder Kontakte mit Gleichaltrigen! Irgendwie auch besser als ein Hund

Das genotypisch freundliche Gesicht der Tiere macht gute Laune und am Ende haben wir den Eindruck, dass das Tier es zumindest nicht furchtbar fand. Zudem konnten wir sie dabei beobachten dass sie deutlich höher als die Barrieren sprangen. Wenn sie wollten, könnten sie vermutlich locker in die Freiheit entkommen. In jedem Fall nehmen wir nochmal mit, wie klug diese Wesen sind und dass sie mehr drauf haben, als fröhlich über unsere Bugwellen zu hüpfen. Mir gefällt letzteres trotzdem besser und irgendwie will das Sea Shepherd T-Shirt nach dieser Aktion nicht mehr so ganz sitzen. Vergeltung, nehme ich an. Vielleicht gibt es sich mit der Zeit.

Wir bleiben noch einen Tag vor Ort und segeln dann in Balis Norden. Hier hoffen wir den ursprünglichen Geist der Insel zu finden und werden erfolgreich sein.

4 Gedanken zu „Balis Süden: Serangan, Denpassar und Ubud (2. Dezember bis 8. Dezember 2015)

  1. Konstanze

    Hallo ihr drei! Denke es ist noch nicht zu spät und vielleicht sogar in Eurem Fall besonders passend: Happy New Year und alles gute für 2016! Immer wieder schauen wir auf Eurer Seite vorbei. Ihr seid so weit gereist! Eben dachte ich das erste Mal:“das ist bald schon wieder zu Hause! Da gibt es schon Direktflüge !“ Wie ich lese, plant ihr Juli in Spanien zu landen. Wir kommen im August erst runter. Solltet ihr nochmal an der Costa Blanca vorbeischauen, würden wir uns natürlich sehr über einen Besuch freuen!
    Herzliche Grüße
    Konstanze& Ralph mit Maximilian & Johannes. /// Javea/Spain
    …ach und Fritze… Das mit dem Fischernetz und dem Rochen las sich echt krass…

    Lieber Fritze, dass war echt crazy mit dem Rochen und dem Fischernetz… Puuhhhh…

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    1. Heide Beitragsautor

      Hallo Ihr Lieben, vielen Dank für Eure Nachricht. Schön, von Euch zu hören und toll, dass Ihr noch an uns denkt. Wir werden vorerst in der Türkei landen. Falls wir doch noch bis Spanien kommen, melden wir uns in jedem Fall, dann können wir uns zum Sundowner treffen. Wie geht es den Kids? : Liebe Grüße, Heide , Fritze und Mina

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    1. AlytesSkipper

      Hallo liebe Anna,
      wie schön auch von Dir zu lesen! Hoffe es geht gut im fernen, kalten Deutschland? Sind gerade in Thailand und genießen den Sound von gefühlt 200.000 Longtail-Booten vor Koh Phi Phi bei 32°C 😉
      Es wird aber auch wieder besser, gen Westen (Sri Lanka und Indien).
      Liebe Grüße aus dem Südosten und bis bald,
      Fritze

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